700 Jahre Ziltendorf

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Das Leben auf dem Bauernhof um 1900 - im Winter

 

Den Bericht über die Arbeiten in den vier Jahreszeiten auf einem Bauernhof um 1900 wollen wir mit dem Winter beginnen. Für die Arbeiten auf den Feldern gibt es für die Bauern einen sogenannten Richttag. Das ist seit jeher der Ewigkeitssonntag (Totensonntag). Also der letzte Sonntag vor dem Beginn der Adventszeit. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten alle Arbeiten auf den Feldern abgeschlossen sein. Auch die Mieten für Kartoffeln und Rüben müssen jetzt mit Stroh und Erde winterfest verschlossen werden. Denn die Erfahrung zeigt, dass nach diesem Tag das Wetter schlechter wird und die ersten strengeren Fröste einsetzen können. Bei günstiger Witterung wurde noch eine Fuhre Stalldung (Mist) auf die Felder gefahren und wenn es möglich war untergepflügt. Bevor der Winter richtig mit Eis und Schnee einsetzte, mussten die Viehställe vor dem Frost sicher sein. Die Zuglöcher, die im Sommer für Frischluft sorgten, waren mit Stroh sicher verschlossen.  Auch die Stalltüren wurden von innen mit Stroh dicht gemacht. Die Fenster der Keller, in denen Kartoffeln und Rüben gelagert sind und für die es damals noch keine dichten Fensterscheiben gab, mussten ebenfalls mit Stroh fest verschlossen und abgedichtet werden. Da es zur damaligen Zeit noch keine Wasserleitung gab, stand auf jedem Hof eine Holzschwengelpumpe die das gesamte Wasser für den Bauernhof lieferte. Um das Einfrieren der Pumpe zu verhindern bekam sie einen dicken Strohmantel. Auch die Hütte des Hofhundes erhielt eine wärmende Abdeckung aus Pferdemist und Stroh.

Die Adventszeit gilt ja als die Zeit der Besinnung und der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. So ist es auch mit den Arbeiten auf dem Bauernhof. Die Bauersleute zogen sich jetzt in ihre Häuser zurück. Sie begannen sich auf die Winterzeit einzurichten. Aufgestanden wurde jetzt um 7.00 Uhr. Der Arbeitstag begann mit der Versorgung der Tiere. Also ausmisten, einstreuen, füttern und die Kühe melken. Die Versorgung der Tiere war genau geregelt. Der Bauer kümmerte sich um die Pferde. Die jüngeren Leute versorgten die Kühe, die Bäuerin versorgte die Schweine und die Großeltern beschäftigten sich mit dem Kleinvieh wie Hühner, Enten und Gänse. Nachdem alle Tiere versorgt waren traf man sich  zum 1. Frühstück. Während des Frühstücks wurde besprochen welche Arbeiten an diesem Tag zu erledigen sind. Die Frauen beschäftigten sich während der Adventszeit mit dem Backen von Plätzchen und  Stollen für das Weihnachtsfest. Aber auch die Enten und Gänse, bis auf die für das Weihnachtsfest, wurden jetzt geschlachtet. Da es zu dieser Zeit keine Kühlschränke gab wurden sie angebraten und eingeweckt. Bei guter Witterung gingen die Männer in den Wald um Holz zu schlagen. Denn für den nächsten Winter wird wieder Brennholz benötigt. Außerdem mussten Stangen zur Reparatur der Koppelzäune für die Viehkoppeln geschlagen werden. Da der Bauer im Laufe des Jahres auch mal ein Brett benötigte sind auch 1 oder 2 Bauholzstämme für Bretter gefällt worden. Das gesamte anfallende Reisig und alle Äste wurden natürlich mitgenommen. Der Großvater hat sie zu Hause zerkleinert, zu Bündeln aufgebunden und für ein Jahr zum Trocknen aufgestapelt. Je nach Anzahl der vorhandenen Schweine musste jeden oder jeden zweiten Tag der Kartoffeldämpfer mit Kartoffeln für das Schweinefutter gekocht werden. Diese Arbeit erledigte vorwiegend der Großvater. Er verwendete hierbei das getrocknete Reisig aus dem Wald vom Vorjahr.  Am Nachmittag gegen 15.00 Uhr erfolgt wieder die Fütterung der Tiere in der gleichen Reihenfolge wie am Morgen. Wenn alles erledigt war gab es Abendbrot.  So ging ein Arbeitstag im Winter zu Ende. Die langen Winterabende verbrachten die Frauen mit Stricken von Strümpfen, Pullovern und Schals. Auch sind Strümpfe gestopft, die Wäsche ausgebessert, und Säcke geflickt worden.  Die Männer lasen die Zeitung, wenn vorhanden, spielten Karten und begannen mit der Reparatur von Gerätschaften. Den Kindern wurden an den langen Abenden von den Großeltern Märchen vorgelesen und Geschichten erzählt. Denn zu dieser Zeit gab es weder Fernseher noch Radiogeräte. Dabei erfuhren die Kinder viel über die alten Traditionen und Bräuche, die dann von ihnen übernommen und weitergeführt werden konnten. An den Wintertagen wurden von den Männern die Geräte und Maschinen die für die landwirtschaftliche Produktion notwendig waren repariert. Da die Pferdegeschirre  fast jeden Tag im Gebrauch waren, mussten sie jetzt repariert und mit Fett gepflegt werden. Die defekten Zähne an den Holzharken wurden ausgewechselt. Auch die Gabeln und Hacken haben neue Stiele aus Weidenholz für die neue Saison erhalten. Es war auch notwendig die eine oder andere Stalltür instandzusetzen. Rutenbesen aus Birkenreiser zum Fegen des Hofes und der Straße hat der Großvater gebunden. An jedem Sonnabend ist damit die Straße vor den Grundstücken gefegt worden. Die Straßenreinigung hat man kontrolliert.  Es ist also keine neue Erfindung.

An den Weihnachtstagen und den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr ruhten, außer dem Versorgen der Tiere, die Arbeiten auf dem Bauernhof. An diesen Tagen besuchte man die Verwandten und Bekannten. Zur Beleuchtung der Wege musste eine Laterne benutzt werden, denn eine Straßenbeleuchtung gab es noch nicht. Nach Neujahr, in den Monaten Januar und Februar, sind die Frauen von Haus zu Haus gegangen um beim Federnschließen zu helfen. Die so bearbeiteten Federn, das Entfernen der Federkiele, wurden zum Füllen der Deckbetten benötigt. Die langen Winterabende vergingen neben der Arbeit mit Gesprächen und viel Geselligkeit. Die Frauen brachten häufig selbst hergestellte Liköre zum Kosten mit. Besonders beliebt waren Eierlikör, der oftmals kaum aus der Flasche kam, Kirschlikör und Schlehenlikör. So war das Federnschließen nicht nur mit Arbeit verbunden, sondern vor allem auch ein kleines Fest mit Musik, Gesang und viel Gelächter. Wenn die Männer ihre Frauen abholen kamen, wurde es noch lustiger. Im Januar kam auch die Zeit, dass die Schweine geschlachtet wurden. Im weiteren Verlauf des Winters wurde das im Sommer eingelagerte Getreide gedroschen. Dazu war im Sommer nicht genügend Zeit so dass, nur das Getreide, was für die Versorgung notwendig war, gedroschen werden konnte. Im Februar kam dann die Zeit der Fastnacht. Hier feierte man ausgiebig und sehr ausgelassen. Am Morgen hat man die Tiere gefüttert  und dann ging es zum Zampern. Das Zampern zog sich auch manchmal über mehrere Tage hin.  An diesen Tagen haben die Bauern, außer dem Füttern der Tiere, nur die notwendigsten Arbeiten gemacht. Das waren auch oftmals die letzten freien Tage für die Bauern. Danach begannen die Vorbereitungen für die Frühjahrsarbeiten. Darüber berichten wir im nächsten Beitrag.

 

Walter und Günter Lehmann

 

 

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