700 Jahre Ziltendorf

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Liebe Leserinnen und Leser

Wir, mein Bruder Walter  und ich, Günter Lehmann aus Ziltendorf  haben uns seit einiger Zeit mit dem Leben auf einem Bauernhof um 1900 beschäftigt.  Da wir beide auf einem Bauernhof aufgewachsen sind, möchten wir in Fortsetzungsbeiträgen dieses Leben darstellen. Wir sind der Auffassung, dass es richtig ist die bäuerlichen Traditionen und das bäuerliche Leben in der Vergangenheit der nachfolgenden Generation mitzuteilen.

Beginnen wollen wir mit einem Bericht über den Tagesablauf besonders aber über die Mahlzeiten auf einem Bauernhof. Wir sind beide auf dem Bauernhof unserer Eltern in Ziltendorf aufgewachsen und können so nur aus unseren eigenen Erfahrungen und den Erzählungen unserer Großeltern und Eltern berichten. Es kann auf anderen Bauernhöfen durchaus anders gewesen sein. In unserem ersten Beitrag wollen wir ihnen die Mahlzeiten  vorstellen.

 

Der Tagesablauf aber besonders die Mahlzeiten auf einem Bauernhof um 1900

 

Wann wurden die Tage begonnen und wann wurden sie beendet?

Im Winter wurde um 7.00 Uhr aufgestanden, im Sommer um 5.00 Uhr.

Zuerst wurden immer die Tiere versorgt, also ausmisten, einstreuen, füttern und melken. Die Bauern haben es so eingerichtet, dass im Winter nicht alle Kühe zu melken waren, sondern nur 1 oder auch 2 um die Versorgung der Familie mit frischer Milch zu sichern. Die anderen Kühe  „ standen trocken “.  Erst wenn das alles erledigt war gab es das 1. Frühstück.

Das bestand aus: „Mehlklimpersuppe“ mit Roggenmehl und frischer Kuhmilch. Danach ging der Bauer wieder an die Arbeit.

Um 10.00 Uhr kam das 2. Frühstück. Hier gab es selbstgebackenes Brot, Wurst, Schinken  natürlich alles aus eigener Produktion und Schlachtung. Der Malzkaffee auch „Muckefuck“ genannt war das traditionelle Getränk.

Zum Mittagessen wurde viel Gemüseeintopf gekocht mit Pökelfleisch oder Geräuchertem wie Rippchen. Auch gab es Kartoffelsuppe natürlich ohne Bockwurst aber mit viel Speck und Majoran. Rührkartoffeln (Stampfkartoffeln) mit Rührei und Gurkensalat wurde während der Gurkenzeit im Sommer viel gegessen.

Fleisch gab es nur am Sonntag und an Feiertagen oder großen und wichtigen Familienfeiern.

Bei langen Arbeitstagen im Sommer wurde noch eine Zwischenmalzeit, das sogenannte „Vesper“, eingelegt. Hier wurden belegte Brote und auch Kuchen gereicht. Dazu Malzkaffee oder Tee (selbstgepflückt).

Das Abendbrot bestand fast immer aus Pellkartoffeln mit verschiedenen Beilagen wie: Quark, Öl gemischt mit Sahne, ausgebratenem Speck, Rührei und Heringsstippe.

Sonntags gab es auch Brot, Butter mit Wurst, Schinken und Käse selbstverständlich alles aus eigener Produktion.

Besonderheiten wie Bockwurst und Bohnenkaffee gab es nur an großen Feiertagen und zu besonderen Familienfeiern wie Hochzeiten, Kindtaufen und Konfirmationen.

Zu dieser Zeit hatte fast jeder Bauer einen eigenen Backofen. Es wurde alle zwei Wochen Brot und Kuchen gebacken.

Im Herbst, während der Pflaumenernte, wurde  viel Pflaumenmus gekocht und das geschah gleich im Waschkessel.  Zum Süßen von Speisen und Tee ist zum Teil Bienenhonig verwendet worden.

Eigentlich war es nur notwendig Salz, Zucker und Senf zu kaufen, alles andere notwendige wurde auf dem Bauernhof selbst hergestellt.

Im nächsten Beitrag wollen wir über  die Arbeiten auf dem Bauernhof um 1900 während der einzelnen Jahreszeiten berichten.

Wir wünschen ihnen viel Spaß beim Lesen.

Walter und Günter Lehmann

 

 

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