700 Jahre Ziltendorf

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Der hängende Bierkasten oder das saure Bier

 

Wir schreiben das Jahr 1960, das war das Jahr, als die letzten freien Bauern in eine LPG eintreten mussten. Unser Vater wollte nun nicht gleich alles umsonst hingeben, so entschloss er sich, wie mehrere andere Bauern auch in die LPG Typ I einzutreten. Das hieß, unser Vieh konnten wir noch selbst versorgen und es blieb auf unserem Hof. Die Feldwirtschaft aber wurde genossenschaftlich betrieben. Mir blieb auch keine Wahl  und so musste ich mitmachen. Jeden Morgen trafen sich nun die Bauern an der Milchrampe, unter der Friedenseiche, wo die Milch von den Kühen abgeliefert wurde. Hier wurde auch die Arbeit, die auf den Feldern zu erledigen war, eingeteilt. Die Arbeitseinteilung hat persönlich der Vorsitzende, Dietrich Welkisch, vorgenommen. Nun war das Frühjahr der Jahre 1962 oder 63 gekommen. Vom Vorsitzenden ist eine kleine Düngerbrigade in der Stärke von 3 Mann gebildet worden. Zu dieser Brigade gehörten Gerhard Pintsch, Erhard Conrad und ich, Walter Lehmann. Wir hatten die Aufgabe Stickstoff auf das Wintergetreide auszubringen. Ohne große Technik, sondern mit der Säschwinge vor dem Bauch und zu Fuß. Gerhard Pintsch hatte Pferd und Wagen und dann ging es los. Vormittag eine Fuhre  und Nachmittag eine Fuhre. Der Dünger lagerte in der Scheune von Walter Bensch (Maatz). Die schwere Arbeit machte natürlich durstig  und so holten wir uns einen Kasten Bier. Jetzt überlegten wir, wo können wir den Kasten am sichersten verstecken, denn er sollte ja mehrere Tage reichen. Schließlich kam Erhard auf die Idee ich hole eine Rolle und eine lange Leine. Gesagt getan, die Rolle wurde oben im Gebälk befestigt und der Kasten mit der Leine bis unters Dach gezogen. Nun war das Bier gut vor Dieben geschützt, so dachten wir. Man musste schon wirklich ganz genau hochschauen, um den Kasten zu erblicken. So ging das nun schon eine Woche lang ganz gut, es kam uns niemand auf die Schliche. Eines Morgens an der Milchrampe äußerte Willi Korb den Wunsch, er möchte eine Arbeit haben, wo er mittags zu Hause ist. Bei ihm wäre eine Kuh zum Kalben und da möchte er mal nach ihr sehen. So wurde er als vierter Mann uns Dreien zugeteilt. Mittags waren wir wieder an der Scheune angekommen und lüfteten Willi unser Geheimnis, denn wer arbeitet der muss auch trinken. Willi staunte über unsere Idee und trank eine Flasche mit. Mit der Kuh war noch alles in Ordnung und so ging es wieder auf das Feld. Abends war es dann soweit, die Kuh schickte sich an das Kalb zu bekommen. Es war aber keine leichte Geburt und Willi musste ein paar Bauern und den Tierarzt Dr. Fuchs zur Hilfe holen. Nach langem hin und her klappte es schließlich und ein gesundes Kälbchen war geboren  und auch die Kuh hatte alles gut überstanden.  Die Geburtshelfer hatten jetzt natürlich Durst und die Getränke in Korbs Haushalt gingen zur Neige.  Nun wusste ja Willi wo es Nachschub zu holen gab, nämlich aus Maatz Scheune. Der Kasten Bier reichte auch nicht ewig, und bald war er leer bis auf eine Flasche. Willi war es nun aber doch etwas peinlich den leeren Kasten wieder in der Scheune hoch zu ziehen. Da kam seine Frau Erna auf die glänzende Idee und mischte einen Eimer Wasser mit Essig. Sie füllte alle leeren Flaschen  voll und hat sie auch wieder sorgfältig verschlossen. Die Flaschen waren damals alle noch mit Patentverschluss. Am nächsten Morgen kam Willi wieder mit uns mit, damit er Mittag noch einmal nach der Kuh sehen konnte. Es war warm und wir hatten Durst, so wurde der Kasten Bier herunter gelassen, und ich teilte aus. Dann stießen wir alle auf das Wohl von Kuh und Kalb an. Beim ersten Schluck spuckten 3 Mann um die Wette. Nur Willi saß da und grinste. Hatte ich Idiot ihm doch die einzige Flasche Bier die noch im Kasten war gegeben. Wir konnten uns das nicht erklären, wie das Bier über Nacht so sauer werden konnte. Willi konnte sich nun das Lachen nicht mehr verhalten und platzte mit der Wahrheit heraus. Er hatte aber schon vorsorglich das Portmonee eingesteckt und holte einen neuen Kasten Bier. Nun war der Frieden wieder hergestellt.

 

Selbst erlebt und nacherzählt von Walter Lehmann, aufgeschrieben von  Günter Lehmann

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