700 Jahre Ziltendorf

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Die moderne Milchviehhaltung -  eine kleine Geschichtsstunde

 

Die LPG Typ III „Ernst Thälmann“ ist im Jahre 1952 in Ziltendorf gegründet worden.

Nach großen Anfangsschwierigkeiten in den ersten Jahren besann man sich auf die Losung: „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen!“ So hatten die Verantwortlichen von Partei und Regierung davon gehört, dass in der Sowjetunion zur gesunden und leistungssteigernden Milchviehhaltung Offenställe errichtet wurden. Man beachtete dabei aber nicht, dass die Offenställe in der Sowjetunion nur in klimatisch günstigen Regionen und für widerstandsfähige Rinderrassen entstanden sind. Offenställe haben nur eine Schutzwand zur Wetterseite und natürlich ein Dach  ansonsten sind sie offen zugänglich. In der 33. Plenarsitzung des ZK der SED vom 16. bis 19. Oktober 1957 wurde also beschlossen, dass in der sozialistischen Landwirtschaft der DDR Rinderoffenställe gebaut werden sollen. Damit nun auch in Ziltendorf der Fortschritt einhalten sollte ging man daran auf dem Gelände des Kreisgutes Rinderoffenställe zu errichten. Nach der Fertigstellung der „Stallanlagen“ begannen auch bald die Probleme, denn die Kühe waren es nicht gewöhnt ständig im Freien zu sein. So ging dann auch die Milchleistung immer weiter zurück. Ganz problematisch wurde es im Winter. Da standen die Kühe bei mitunter minus 10 Grad und mehr im eiskalten Wind. Es ist vorgekommen, dass Tiere mangels genügender Einstreu am Boden festgefroren sind. Gefüttert wurden sie in den Wintermonaten vorwiegend mit Silage. Auch die Versorgung mit Wasser, das die Kühe zur Milchproduktion benötigen, war nicht gewährleistet, weil die Wasserleitungen ständig eingefroren waren. Jetzt war es mit der Milchleistung gänzlich vorbei, denn die Kühe brauchten das Futter um ein wenig Wärme für ihren Körper zu erzeugen, und sie konnten so keine Milch mehr produzieren. So trafen sich eines Tages der Bürgermeister Walter Nickel und Bauer Heinrich Lehmann in der Gaststätte „Zum Grünen Baum“ (Türmchens). Der Bürgermeister fragte den erfahrenen Bauern: „ Sage mal Heinrich du als erfahrener Bauer kannst mir doch sicherlich sagen, warum die Kühe auf dem Kreisgut  in den Offenställen keine oder so wenig Milch geben?“ Ja Walter antwortete Heinrich: „ Das kann ich Dir ganz genau sagen, stelle Du dich mal im Winter nur mit einer Turnhose bekleidet unter ein Schleppdach und ernähre Dich nur von Sauerkraut. Dann wirst Du bald merken, dass Dir so langsam die Puste ausgeht.“

Es dauerte schließlich nicht lange und die Ställe wurden, so wie sich das gehört dicht gemacht und siehe da, die Kühe gaben auch wieder Milch.

Auch in unserer Nachbargemeinde Wiesenau sind Offenställe gebaut worden. Hier kam es eines Tages zu folgender Begebenheit, der Bauer Wilhelm Lanzke stürmte im Winter in das LPG Büro riss alle Fenster auf und sagte: „ So die Fenster bleiben jetzt offen, damit ihr merkt wie es den Kühen im Offenstall geht und außerdem ist frische Luft so gesund“. Als sich dann doch alle wieder beruhigt hatten sind die Fenster natürlich wieder geschlossen worden.

 

Aufgeschrieben von Günter Lehmann

 

 

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