700 Jahre Ziltendorf

Anekdoten und Geschichten

Buch und Feder

+1

Die Bauern und das Fischen

 

Weit vor 1945 hatten einige Bauern in Ziltendorf ein eingetragenes Fischereirecht. Sie hatten die Erlaubnis im Odervorland mit einem Zugnetz in den Löchern zwischen Aurith und Vogelsang zu fischen. Das waren vor allem der Große Broch, der kleine Broch und die Jeßnitze Löcher. Dafür besaßen sie ein eigenes Zugnetz von ungefähr 20m Länge. Die betreffenden Bauern waren:

  • Max Schönfeld  (Kesken)
  • Max Conrad  (Kolschens)
  • Paul Conrad  (Hanschken)
  • Emil Lehmann (Skaren)
  • Heinrich Lehmann (Schubbels)

Es war festgelegt, im Juni geht es wieder einmal zum Fischen, denn im Juni blüht der Weizen und die Schleien sind dann am laichen und man könnte eine reiche Beute machen. Der Termin war festgelegt und sie trafen sich am Vortag noch einmal bei „Türmchens“ zur genauen Absprache. Plötzlich fiel einem auf, dass sie für den morgigen Tag noch gar keinen Schnaps haben. Ohne Schnaps gab es bestimmt einen schlechten Fang.

Wie an jedem Abend war auch diesmal wieder der Bauer Paul Schulz in der Kneipe. Paul hatte immer reichlich Geld in der Tasche und wenn er einiges getrunken hatte fing er immer an zu stänkern. Da kam einen der Burschen eine tolle Idee. Der Gastwirt sollte eine leere Schnapsflasche halb gefüllt mit Wasser auf den Tisch stellen. Nun kam es mit Paul zu einer kleinen Rangelei bei der die Flasche zu Boden fiel und zerbrach. Jetzt wurde Paul von allen Beteiligten als der Schuldige ausgemacht und aufgefordert eine neue Flasche zu kaufen, was er dann auch tat. Nun hatten sie auch den Schnaps zum Fischen.

Am nächsten Morgen ging es gleich nach dem Frühstück los in Richtung Oder. Einer der älteren Bauern, meistens der Opa, musste anspannen und die ganze Gesellschaft mit Netz und Zubehör transportieren. Essen und Trinken wurden reichlich eingepackt, denn Fischen macht hungrig und verlangt auch Kraft. Es waren schon einige Fischzüge gemacht und es war Zeit eine Pause einzulegen.

Nun gab es auch zur damaligen Zeit eine Wasserschutzpolizei. Die hatte im Sommer eine ganz weiße Uniform an. So tauchten auch plötzlich während der Pause zwei Polizisten in ihren schmucken weißen Uniformen auf, um die Papiere zu kontrollieren. Als sie nahe genug an der Gruppe heran waren sprang Emil Lehmann auf und rannte davon, natürlich ein Beamter ohne zu zögern hinterher. Emil rannte ohne sich umzusehen durch hohe Büsche, Sträucher und Sumpflöcher und der Beamte ganz in weiß immer hinterher. Emil blieb nach geraumer Zeit stehen, denn die Luft wurde ihm etwas knapp, so auch dem Verfolger. Der Beamte verlangte nun keuchend von Emil die Papiere die er auch prompt lückenlos vorweisen konnte. Der Kontrolleur machte große Augen und fragte immer noch keuchend: „ Na Mann, warum rennen sie denn davon es ist doch alles in Ordnung?“ Emil erwiderte: „ Wer sagt denn, dass ich davon gerannt bin. Wenn ich will kann ich doch rennen.“ Die Papiere waren also in Ordnung, nur die schöne weiße Uniform war verschmutzt und auch teilweise zerrissen. Damit hatte ja Emil auch sein Ziel erreicht. Die Bauern waren damals beim Fischen nicht besonders gut gekleidet, denn das Fischen war eine feuchte und schmutzige Angelegenheit. Deshalb blieben oftmals die alten Sachen gleich an Ort und Stelle liegen.

 

Nacherzählt von Walter Lehmann, aufgeschrieben von Günter Lehmann

 

 

 

 

 

 

IMPRESSUM

WebDesign&Office Service Teichert © 2015 Alle Rechte vorbehalten.