700 Jahre Ziltendorf

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Anekdoten von Günter Lehmann

 

 

Die Wagendeichsel

 

Zur Erntezeit kam es früher manchmal vor, dass die Erntewagen am Abend vor den

Grundstücken auf der Straße stehen blieben um sie am nächsten Morgen wieder zu

benutzen. Nach getaner Arbeit gingen die jungen Bauern dann mal gern in die Kneipe

um einige Biere und Schnäpschen zu trinken.

So geschah es auch eines Abends, dass sich Heinrich L. aus der Gärtenstraße und Max Sch. aus der Uferstraße bei Türmchens trafen und in gemütlicher Runde einige Schnäpse und Biere tranken.

Zu vorgerückter Stunde machten sich beide dann auf den Heimweg. Da Heinrich den längeren Heimweg hatte wollte er seinen Freund Max noch bis nach Hause begleiten um zu verhindern, dass dieser stolpern und zu Schaden kommen könnte. Als sie aus der Oderstraße kommend in die Uferstraße eingebogen sind und diese wenige Meter gegangen waren stolperten sie plötzlich über eine Wagendeichsel von einem Ackerwagen, der vom Tage vorher auf der Straße stehen geblieben war. Zu dieser Zeit gab es noch keine Straßenbeleuchtung wie wir sie heute kennen.

Max ärgerte sich in diesem Moment sehr über den Nachbarn Herrmann M., denn nach seiner Ansicht hatte er wieder seinen Wagen über Nacht auf der Straße stehen gelassen.

Na warte sagte er, das werden wir gleich ändern, und fasste einen folgenschweren Entschluss. Er ging nach Hause und holte eine Säge.

Beide sägten nun die Deichsel von dem Wagen ab. Nach erfolgter Freveltat waren die beiden Freunde zufrieden und gingen gut gelaunt nach Hause.

Am nächsten Morgen besuchte Heinrich seinen Freund Max und fand ihn schlecht gelaunt und mit Kopfschmerzen beim Bau einer neuen Wagendeichsel.

"Nanu, wieso baust du denn eine Wagendeichsel für deinen Nachbarn?" fragte er diesen.

"Ach frage lieber nicht..." antwortete der "...wir haben gestern in unserem Dusel die Deichsel von meinem Wagen abgeschnitten!!!"

 

Die verkaufte Sau

 

In den früheren Jahren gab es in jedem Dorf einen Fleischermeister. Die Fleischer kauften von den Bauern die Schweine zum schlachten und verarbeiten.

Es kam auch vor, dass Fleischer aus den Nachbardörfern kamen um Schweine zu kaufen.

So geschah es auch eines Tages, dass der Fleischermeister Reimann aus Wiesenau nach Ziltendorf kam um Schlachtschweine für seine Fleischerei zu erwerben.

Nun gab es in den Dörfern aber nicht nur Fleischermeister sondern auch Bauern, die mit einer gehörigen Portion Bauernschläue und mit reichlich Witz ausgestattet waren.

So ein Bauer lebte zu der Zeit auf dem Hof der jetzt von Otto Vierling bewohnt wird.

Da der Hofname "Hanschken" ist wurde der Bauer nur "Hanschken Meier" genannt. Er war nicht verheiratet und lebte so allein auf dem Hof.

In der heutigen Zeit würde man ihn als ein echtes Schlitzohr bezeichnen.

In der Kneipe bei Türmchens trafen nun beide eines Abends aufeinander. Bei freundlicher Plauderei und einigen Bieren fragte der Meier den Fleischermeister Reimann ob er nicht eine Schlachtsau kaufen wolle.

Der Fleischermeister überlegte eine Weile und fragte dann was sie kosten soll. Der Meier überlegte lange und sagte dann, dass er die Sau für 50,- Mark verkaufen würde.

Reimann willigte sofort in diesen nach seiner Meinung guten Handel ein. Beide tranken noch einiges und der Meier spendierte von dem soeben eingenommenen Geld einige Lokalrunden.

Am nächsten Vormittag erschien nun der Fleischermeister bei Meier auf dem Hof und wollte seine

gekaufte Sau abholen. Als er in den Stall kam sah er, dass die Sau tot ist.

Entsetzt schrie er "Meier, die Sau ist ja tot!"

"Ja...," sagte der Meier: ",,,du hast ja nicht gefragt, ob sie noch lebt!"

 

Die Sau und der Eber

 

Es war wohl in den 50ger Jahren. Die Bauern hielten zur Erhaltung ihrer Schweinebestände Zuchtsauen.

Um Ferkel zu bekommen mussten die Sauen von einem Eber, dem männlichen Schwein, gedeckt werden.

Nun ist`s aber bei den Sauen so, dass sie nur an wenigen Tagen fruchtbar sind. So war es auch eines Tages im Februar, genau zur Zeit der Fastnacht in Ziltendorf, bei der Sau des Bauern Herbert G. aus Aurith. Es ist bekannt gewesen, dass bei der Fastnacht in Ziltendorf viel Schabernack und Unsinn getrieben wurde.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Eber beim Gastwirt Herrmann Redlich (Pumps) stationiert war.

Aber die Sau war nun einmal fruchtbar und musste zum Eber, denn Herbert G. wollte ja Nachwuchs für seine Schweine haben.

So machte er sich wie gesagt eines Tages im Februar mit seiner Sau im Kasten auf dem Pferdewagen beladen auf den 7 Km langen Weg nach Ziltendorf. Da es an dem Tag sehr kalt war hatte er den Kasten, in dem sich die Sau befand, mit einer wärmenden Plane abgedeckt. Er traf auch gut gelaunt im Laufe des Vormittag beim Gastwirt Herrmann Redlich ein. Von seinen Ziltendorfer Berufskollegen, die mit der Fastnacht beschäftigt waren wurde er freudig und mit großem Hallo begrüßt. Sie sagten zu ihm "Herbert du bist doch von der langen Fahrt bei der Kälte durchgefroren und Durst hast du sicher auch, setz dich erst mal in die Gaststube und trinke einen schönen steifen Grog. Wir werden das Geschäft mit der Sau und dem Eber für dich erledigen."

Gesagt getan Herbert G. machte es sich in der Gaststube gemütlich und wärmte sich auf.

Es dauerte auch gar nicht lange und die die Ziltendorfer Kollegen kamen zurück und erklärten, dass alles geklappt hat, die Sau wieder auf dem Wagen geladen ist und Herbert G. wieder die Heimreise antreten kann. Bevor er aber losgefahren ist spendierte er noch eine Runde und bedankte sich recht herzlich für die freundliche Hilfe und Unterstützung.

Gut gelaunt und gut erwärmt ging es wieder in Richtung Aurith nach Hause. Auf der Hälfte der Strecke bemerkte er, dass die Sau im Kasten sehr unruhig wurde und eigenartig grunzte.

Er hielt an, lichtete die Plane um nachzusehen und glaubte seinen Augen nicht zu trauen. In dem Kasten befand sich nicht seine Sau sondern der Eber.

Seine freundlichen und hilfsbereiten Ziltendorfer Kollegen hatten beide gegeneinander ausgetauscht. Was blieb dem armen Herbert nun übrig, er musste wieder zurück nach Ziltendorf um seine Sau zu holen.

Bei Herrmann Redlich wurde er schon erwartet. Mit großem Hallo wurde er begrüßt. Er verlangte nun von den Kollegen, dass sie ihm beim austauschen von Sau und Eber helfen sollten. "Ja..." sagten die Übertäter "...bevor wir anfassen musst du einen ausgeben".

Nachdem nun alle etwas auf Kosten von Herbert G. getrunken hatten wurde umgeladen und er konnte endlich nach Hause fahren.

Die Moral von der Geschicht, zur Ziltendorfer Fastnacht fährt man mit einer Sau nicht!

 

Die Viehzählung

 

Um die Viehbestände der Bauern und der anderen Viehhalter zu erfassen wurde zu DDR-Zeiten in regelmäßigen

Abständen durch Mitarbeiter der Gemeindeverwaltungen der Viehbestand gezählt. So auch bei dem

Bauern Gustav Abraham (Kauben Gustav) aus der Kunitzer Loose.

Kauben Gustav war einer dem der Schalck immer im Nacken saß und der für jeden Spaß zu haben war.

Gustav war ein Mann, von kleiner aber kräftiger Gestalt mit listigen Augen, Glatze und immer einem verschmitzten

Lächeln im kugelrunden Gesicht.

Der Herbst nahte und die Viehzählung auch. Die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung erschienen auf seinem Hof.

Nach einer umfassenden Begrüßung und dem Austausch von netten Sprüchen fragten nun die Mitarbeiter " Gustav wie viel Hühner hast du denn jetzt?"

"Ja, das kann ich euch sagen, mal sind es mehr und mal sind es weniger." Mit einem Blick zum Himmel und einem Schmunzeln über seinem Gesicht sagte er noch: "Regen werden wir kriegen."

Trotz mehrerer bohrender Nachfragen haben die Viehzähler keine Zahl von Kauben Gustav erfahren.

 

„Der Verteilerkuchen“

 

In der Vergangenheit war es in unserem Dorf Brauch gewesen, eine Woche vor großen Familienfeiern wie Hochzeiten und Konfirmationen Kuchen zu backen. Dieser wurde an Verwandte, Freunde und Nachbarn verteilt - der sogenannte Verteilerkuchen.

 Aber auch zu anderen Gelegenheiten und verschiedenen Anlässen, so auch zum „Federnreißen“ wurde Kuchen gebacken. So soll es geschehen sein, das für eine Familienfeier oder zum Federnreißen, genau ist es nicht überliefert, bei „Bauerschneiders“ einem Grundstück in der Bergstraße, der gebackene Kuchen auf eigenartige Weise verschwunden ist.

Denn In Ziltendorf gab es zu allen Zeiten Burschen, die zu Streichen und allerlei Späßen aufgelegt waren.

Als sie sich eines Abends trafen, wählten sie aus ihrer Mitte den „Dünnsten“,  und der musste durch das Kellerfenster bei „Bauerschneiders“ in den Keller klettern, wo sich der Kuchen befand. Dort hat er dann aus allen Kuchen das Mittelstück herausgeschnitten und zum Fenster hinaus gegeben. Die Ränder der Kuchen hat er liegen gelassen.

Als die Hausherren nun den Kuchen holen wollten, waren die guten Stücke verschwunden und es entstand eine große Ratlosigkeit wie das wohl geschehen ist.

Die Burschen ließen sich den schönen frisch gebackenen Kuchen schmecken.

Aber die Bauersleute waren gezwungen neuen Kuchen zu backen.

Solche Streiche sind in der heutigen Zeit nicht mehr möglich, denn es wird kein Kuchen mehr zum verteilen gebacken.

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