700 Jahre Ziltendorf

Anekdoten und Geschichten

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Der 50 Pfennig Taucher

An einem schönen warmen Sommertag machte sich Hans Deska (Hänschen)aus Ziltendorf mit seinem Fahrrad auf den Weg in Richtung Oder-Spree-Kanal. Um auf die andere Seite zu gelangen musste er die Fähre benutzen, denn die Brücke als Verbindung zwischen Ziltendorf und Pohlitz ist im Krieg 1945 gesprengt worden. Hänschen musste nämlich mit seinem Fahrrad zur Fahrradwerkstatt von Meister Engelmeier. An diesem Tag hatte Herr Kittel Dienst als Fährmann und er war bereit den Jungen überzusetzen. Hänschen war damals 13 oder 14 Jahre alt. Um das damals noch notwendige Fahrgeld zu bezahlen übergab er Herrn Kittel einen 50 Pfennig Schein. Zu dieser Zeit waren noch kleine blaue 50 Pfennig Scheine als Zahlungsmittel im Umlauf. Als der Fährmann den kleinen Schein in die Geldtasche legen wollte, kam ein Windstoß und der Schein flatterte über Bord in das Wasser und schwamm nun an der Oberfläche dahin. Der Fährmann Kittel beugte sich mit einer Stange bewaffnet über die Reling und fiel dabei Kopfüber ins Wasser. Er tauchte mit samt den Tageseinnahmen unter. Unser „Hänschen“ schwamm nun ganz allein  mit seinem Fahrrad auf der Fähre mitten im Kanal.

Es dauerte eine geraume Zeit bis sich Herr Kittel wieder an Bord befand. Er schaute den Jungen grimmig an und sagte: „So, jetzt bin ich und die ganze Tageseinnahme klatsch nass und das alles wegen deinem dämligen 50 er“. Jetzt musste der Fährmann sich und das ganze Geld trocknen. Zum Glück geschah dieses „Unglück“ bei schönem Badewetter. Dies war eine erste Methode der modernen „Geldwäsche“, die sich allerdings nicht bewährt hat.

 

Nach einer wahren Begebenheit nacherzählt von Walter Lehmann, aufgeschrieben

und in Szene gesetzt von Günter Lehmann.

 

Der verlorene Kultivator

Geschehen um das Jahr 1940

 

Bauer Teichmann und sein Knecht Willi hatten eine Fuhre Mist geladen. Der Bauer spannte die Pferde vor den Wagen und nun konnte es bald in Richtung Feld losgehen. Knecht Willi hatte noch die Aufgabe den Kultivator an den Ackerwagen fest zu machen.

Es war im Frühjahr, denn der Kultivator diente zur Vorbereitung des Saatbettes für die Aussaat und zur Tiefenlockerung des Bodens. Alles war nun fertig und die Fahrt ging entlang dem Biechenweg bis auf das Feld. Es war eine Fahrtstrecke von ca 2 km zu bewältigen. Nun war es grundsätzlich so, dass der Knecht Willi sich niemals auf einen Wagen setzte. Er ging immer 30 - 50 Meter zu Fuß hinterher. Es muss unbedingt erwähnt werden, dass der Biechenweg in der damaligen Zeit einer der schlechtesten Wege in der Ziltendorfer Aue war. Der Kultivator rannte nun hinter dem Wagen mal nach links und mal nach rechts. Dies ging solange bis er sich plötzlich vom Wagen löste und mitten auf dem Weg stehen blieb. Willi trottete immer langsam hinter dem Wagen her und auf einmal stand ihm ein Kultivator im Wege. Willi staunte, machte einen Bogen um das Ackergerät und folgte ohne sich weiter etwas dabei zu denken, dem Wagen mit dem Bauern. Er grummelte vor sich her: „ Welches Rindvieh hat hier mitten auf dem Weg einen Kultivator stehen lassen?“ Auf dem Feld angekommen staunte Bauer Teichmann nicht schlecht, als er sah, dass der Kultivator nicht mehr da war.

So fragte er: „Na Willi, wo ist denn der Kultivator?“ Willi staunte ganz verdutzt und stotterte: „ Ja, da vorne auf dem Biechenweg da stand einer, war das etwa unserer?“

 

Nacherzählt von Walter Lehmann, aufgeschrieben von Günter Lehmann.

 

P.S.

Der Bauernhof von Familie Teichmann war das letzte Grundstück in Richtung Aurith auf der rechten Seite. Mitten auf dem großen Hof stand ein sehr schönes mit grüner und weißer Farbe angestrichenes Taubenhaus. Das Bauernhaus war eines der schönsten in Ziltendorf.

 

 

 

 

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