700 Jahre Ziltendorf

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30. November - Andreastag

 

Erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts schwappte über den „großen Teich“, aus den USA der herbstliche Brauch des Halloween zu uns herüber und so erinnern sich heute nur noch die Älteren des bis dahin, jährlich am 30. November, begangenen Andreastag. Jener Tag, nach dem Apostel Andreas benannt, war in der Vergangenheit in unserer Region ein Tag, in dessen Abendstunden, im Schutze der Dunkelheit, so mancher Schabernack getrieben wurde. Häufig sind die Hoftüren und gar ganze Hoftore von den Grundstücken ausgehoben, weggetragen und in ein Versteck verbracht worden und wer etwas Glück hatte, dem wurde lediglich die Türklinke mit Zahnpasta belegt. So mussten die Eigentümer der Türen dann am nächsten oder an den folgenden Tagen ihre Tür suchen gehen. Zumeist ist es kaum gelungen die Übeltäter bei ihrem Treiben zu erwischen.

So geschah an einem 30. November in Ziltendorf die folgende Begebenheit.: Alfred Pintsch und Otto Vierling trafen sich am Abend in der Gaststätte bei Türmchens tranken einige Biere, vielleicht auch Schnäpse und überlegten bei wem sie die Hoftür ausheben und verstecken können. Nach einiger Überlegung kamen sie zu dem Ergebnis, dass Wilhelm Lorenz in der Frankfurter Straße ihr Opfer werden soll. Nach einigen weiteren Bieren zogen sie dann los zum Grundstück von Wilhelm Lorenz. Sie zögerten auch nicht lange, und nach einem kurzen Ruck war die Hoftür aus den Angeln gehoben. Mit der Tür auf ihren Schultern begab man sich nun zum Ortsausgang in Richtung Wiesenau. Hinter dem letzten Haus in der Frankfurter Straße bogen sie mit ihrer Beute nach rechts in den Wald ab. Hier suchten sie ein gutes Versteck und legten die Tür ab. Jetzt wollten sie sich so richtig über ihre gelungene Tat freuen, da ertönte hinter ihnen aus dem Dunkeln eine Stimme: „ So meine Herren, die Tür wieder aufnehmen und zurück“! In diesem Moment fuhr ihnen ein gewaltiger Schreck in die Glieder, so als ob der Leibhaftige hinter ihnen steht. Wilhelm Lorenz war den beiden also die ganze Zeit gefolgt. Was blieb ihnen übrig, sie mussten die Tür wieder aufnehmen und zurück zum Grundstück tragen. Dass war den Übeltätern sehr peinlich und die Gedanken kreisten immer nur: „Hoffentlich hat das keiner gesehen“! Denn, wenn das jemand gesehen hätte, der Spott und die Schande wären nicht auszuhalten gewesen.

Aber es war wohl so, dass es niemand gesehen hatte und beiden der Spott erspart geblieben ist.

 

Günter Lehmann

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