700 Jahre Ziltendorf

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Das Leben auf dem Bauernhof um 1900 - im Herbst

 

Der Herbst war beim Bauern die absolute Arbeitsspitze im Jahr. Jetzt wurde oftmals bis in die Nacht hinein gearbeitet. Die Kartoffeln und Rüben sind zu ernten und für den Winter sicher einzulagern. Gleichzeitig war es erforderlich einen Teil der abgeernteten Felder für die Herbstaussaat vorzubereiten. Denn  die Wintersaaten wie Roggen, Winterweizen und Wintergerste müssen rechtzeitig in den Boden. Je früher die Saaten in den Boden kommen umso besser ist der Ertrag bei der Ernte im nächsten Jahr.

Die Hackfruchternte begann mit den Kartoffeln. Die Ernte in den früheren Jahren war sehr handarbeitsintensiv, denn Maschinen gab es keine bzw. sehr wenige. Also ging es nur mit Handarbeit. Jetzt benötigte der Bauer wieder die Hilfe der Tagelöhner. Es mussten die Kartoffeln Reihe für Reihe mit der Hacke aus dem Boden geborgen werden. Vereinzelt kam es auch schon zum Einsatz des Schleuderroders. Dieser wird teilweise bis heute noch genutzt.

Am Abend, wenn die Arbeit gemacht war haben sich die Tagelöhner die  Abendbrotkartoffeln nach altem Brauch mit nach Hause genommen. Der Bauer transportierte die Kartoffeln mit seinem Kastenwagen lose oder in Säcken nach Hause. Bevor die Kartoffeln abgeladen wurden, mussten die Tiere auf dem Bauernhof versorgt werden. Danach gab es  Abendbrot und erst jetzt wurde abgeladen.  Bei inzwischen eingetretener Dunkelheit ging es mit Petroleumlampen in den Keller. Über Kartoffelrutschen gelangten die Kartoffeln vom Wagen durch die Kellerfenster in den Keller. Die Kartoffeln, die im Keller keinen Platz mehr fanden wurden in Mieten verbracht und dick mit Stroh und einer Erdschicht abgedeckt. Das Abladen war an jedem Tag notwendig, da die Wagen am nächsten Tag wieder bereit sein mussten. Nach der Ernte wurde auf den Feldern mit einer Egge das Kartoffelkraut zu Haufen zusammengeschleppt. Bevor die Haufen verbrannt wurden haben die Kinder Kartoffeln hineingelegt. Das Verbrennen des Kartoffelkrautes war immer ein großes Erlebnis, denn nach dem Abbrennen konnte man die nun garen Kartoffeln direkt mit Genuss auf dem Feld verzehren. Nach Beendigung der Kartoffelernte ging es nahtlos an die Ernte der Rüben. Futterrüben und auch schon Zuckerrüben wollten geerntet werden. Die Futterrüben wurden mit den Händen, da sie nicht so fest im Boden standen, herausgezogen und bei schönem Wetter direkt auf dem Feld für die Lagerung vorbereitet. Bei schlechtem Wetter sind sie mit Blättern nach Hause geholt und in geschlossenen Räumen verschnitten worden.

PferdegespannManchmal, so hat man berichtet, wenn das Wetter zu kalt war, wurden sie sogar in der guten Stube verschnitten. Nach dem putzen und verschneiden hat der Bauer die Rüben sicher für den Winter untergebracht. Dies geschah entweder in einem Keller oder in einer Miete. Das Abladen der Rüben in den Keller geschah auf die gleiche Weise wie das der Kartoffeln. Nach dem Abendbrot wurde damit begonnen. Eine Person musste im Keller die Rüben vom Fenster wegräumen. Dabei kam es oft vor, dass die Rüben die Petroleumlampe im Keller umwarfen und der Person auf die Hände fielen. Da gab es immer ein großes Geschrei. Nach dem die Ernte der Futterrüben beendet war ging es an die Zuckerrüben.Zuckerrübenernte Hier kam es zunächst darauf an, das Blatt der Zuckerrüben zu bergen und für die Fütterung der Tiere nutzbar zu machen. Um das Rübenblatt für einen längeren Zeitraum haltbar zu machen kam es in ein Silo. Für das Entfernen des Rübenblattes wurde eine Köpfschippe benutzt.

Nach der Abfuhr des Blattes hat man sie dann mit dem Rübenheber aus dem Boden gehoben. Das Ernten der Zuckerrüben war reine Handarbeit und wie man sich vorstellen kann sehr anstrengend. Die Rübenernte war abgeschlossen und der Bauer konnte jetzt mit dem Ziehen der Winterfurche beginnen. Für den Abschluss sämtlicher Erntearbeiten und dem Ziehen der Winterfurche gibt es einen „Stichtag“.  Das ist der Ewigkeits- oder Totensonntag. Bis zu diesem Zeitpunkt musste auf dem Bauernhof alles Frost- und Winterfest gemacht sein. Im Anschluss an die Arbeiten im Herbst hat sich der Bauer mit den Tagelöhnern zusammen gesetzt und abgerechnet. Es wurden die Fuhren und Feldarbeiten die der Bauer für die Tagelöhner geleistet hatte und die geleisteten Stunden der Tagelöhner gegeneinander aufgerechnet. Nach der Abrechnung gab es immer ein kleines Erntefest. Dabei wurde so manche lustige aber auch weniger lustige Begebenheit aus dem zurückliegenden Jahr ausgewertet. Diese Feste waren mitunter sehr lustig. Nun kam die Adventszeit und die Bauersleute bereiteten sich mit Ruhe und Besinnung auf das Weihnachtsfest vor.

 

 

Walter und Günter Lehmann

Vereinzelt kam es auch schon zum Einsatz des Schleuderroders. Dieser wird teilweise bis heute noch genutzt.

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